Veranstaltungen

Eintrittsermäßigung gilt für Schüler, Studenten, Arbeitssuchende sowie Schwerbehinderte und Inhaber eines FreiwilligenPasses des Landes Brandenburg

Montag
13.
Februar 2023
20.00 Uhr

Volker Kutscher
(c) Andreas Chudowski

 

Volker Kutscher „Transatlantik“
(der neunte Rath-Roman vom Autor der Romanvorlage zu Babylon)

Lesung & Gespräch
Moderation: Thomas Böhm

Potsdam | Waschhaus | Schiffbauergasse 6

Karten unter:
0331 / 2804103
oder: www.waschhaus.de

Eintritt: 15,- € zzgl. Gebühren (keine Reservierungen, nur verbindliche Kartenbestellungen möglich)

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»Wie eigenständig, packend und liebevoll ein Serienkrimi erzählt werden kann, beweist Volker Kutscher mit seinen Gereon-Rath-Romanen.«
Denis Scheck, Druckfrisch

Frühjahr 1937: Die Familie Rath ist zersprengt. Eigentlich wollte Charlotte Rath, geborene Ritter, schon längst im Ausland sein, doch halten die Umstände sie in Berlin fest. Ihr ehemaliger Pflegesohn Fritze ist in die geschlossene Abteilung der Nervenheilanstalt Wittenau gesteckt worden, ihre beste Freundin Greta spurlos verschwunden und steht unter Mordverdacht. Dem untergetauchten und von den Behörden für tot gehaltenen Gereon Rath wird es derweil zu gefährlich in Deutschland, er besteigt den Zeppelin, um in die USA zu entkommen. Während Charly versucht, Fritze aus der Klinik rauszupauken, das Verschwinden von Greta zu klären und den Mordfall zu lösen, geschehen jenseits des Atlantiks Dinge, die sie niemals für möglich gehalten hätte.
Volker Kutschers Romane bilden die Grundlage für die Kultserie »Babylon Berlin«. Die Sky- und ARD-Serie gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Fernsehproduktionen und ist unter anderem Träger des Grimme-Preises und des Deutschen Fernsehpreises. Auch Kutscher wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem BZ Kulturpreis und dem Berliner Krimifuchs.

Volker Kutscher arbeitete nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Geschichte als Tageszeitungsredakteur und Drehbuchautor, bevor er seinen ersten Kriminalroman schrieb. Er lebt als freier Autor in Köln und Berlin. Mit dem Roman Der nasse Fisch, dem Auftakt seiner Krimiserie um Kommissar Gereon Rath im Berlin der Dreißigerjahre, gelang ihm auf Anhieb ein großer Erfolg, dem bisher acht weitere folgten. Die Reihe ist die Vorlage für die internationale Fernsehproduktion Babylon Berlin, deren erste drei Staffeln auf Sky und in der ARD zu sehen waren. Die vierte Staffel folgt im Frühjahr 2023 in der ARD.
Thomas Böhm (*1968) Journalist und Literaturvermittler, schrieb zuletzt das Hörspiel zur Fernsehserie »Babylon Berlin«, organisierte beim Gastlandauftritt Norwegens die Zusammenarbeit mit dem Buchhandel und veröffentlichte einen Auswahlband aus Hans Ostwalds „Großstadt-Dokumenten“. Allwöchentlich moderiert er die Sendung „Die Literaturagenten“ auf radioeins (rbb).

Eine Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros, des Waschhauses und des Literaturladens Wist.

Donnerstag
16.
Februar 2023
20.00 Uhr

Yvonne Zitzmann
(c) Kerstin Weinert

 

Yvonne Zitzmann
„Die Füchse haben Gruben, die Vögel haben Nester“

Lesung & Gespräch
Moderation: Hendrik Röder

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstraße 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103

Eintritt: 10 / 8 €

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Die Füchse haben Gruben, die Vögel haben Nester – und der Mensch, wo legt er sein Haupt hin? Seit Jahren kämpft die Pianistin Anna Vogl mit ihrer kleinen Tochter Juli und ihrem autistischen Sohn Sascha gegen ihre Entmietung. Als wenige Tage vor dem Gerichtstermin das ganze Haus abbrennt, stehen sie vor dem Nichts. War es ein Kabelbrand? Oder hat jemand das Feuer gelegt? Vorerst ziehen sie zu den Eltern ins brandenburgische Rostwalde. Von hier aus begibt sich Anna auf die Suche nach ihrer Heimat und erkennt, dass alle Häuser in ihrer Familie in den vergangenen hundert Jahren verloren gegangen sind: ein schmuckes Jugendstilhaus in Danzig, ein Bauernhof im thüringischen Sperrgebiet, eine typische P-2-Wohnung im ostdeutschen Plattenbau, ein kleines Paradies unweit von Berlin sowie ein kroatisches Felssteinhüttchen. In ihrem zweiten Roman beweist Yvonne Zitzmann erneut Spürsinn für Themen, die die Gesellschaft umtreiben. Dass ein Dach über dem Kopf keine Selbstverständlichkeit ist, diese Erfahrung betrifft längst nicht nur mehr die Schwächsten. Packend schildert Zitzmann den Wohn-Krimi ihrer Protagonistin, bild- und erzählgewaltig lässt sie das alte Danzig genauso wie das Leben in der „Platte“ auferstehen. Und über allem die Frage: Wann ist es Zeit zu gehen?

Yvonne Zitzmann, geboren 1976, lebt in Rangsdorf bei Berlin. Seit 2010 ist sie freie Autorin und Übersetzerin aus dem Russischen. Sie hat Lyrik, Kurzprosa, Hörspiele für Kinder und Erwachsene sowie Literaturübersetzungen in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. Auszeichnungen u. a.: Arbeitsstipendium vom Land Brandenburg (2010), Ehm-Welk-Literaturpreis (2012), Kunst-Förderpreis des Landes Brandenburg (2014). 2011 war sie Finalistin beim Literaturpreis Prenzlauer Berg und 2013/14 Stipendiatin der Bayerischen Akademie des Schreibens am Literaturhaus München. Im Müry Salzmann Verlag erschien ihr vielfach beachtetes Debüt "Tage des Vergessens" (2021).

Mittwoch
22.
Februar 2023
20.00 Uhr

Viktor Jerofejew
(c) Ciconia Verlag

 

Viktor Jerofejew
„Der große Gopnik“

Moderation: Wladimir Velminski
Lesung und Gespräch

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeister Str. 46/47

Karten unter:
0331-2804103

Eintritt: 12 / 10 €

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Der russische Autor Viktor Jerofejew hat sein Land wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine verlassen und lebt im Berliner Exil. Mit seinem Verleger Wladimir Velminski spricht er über die historischen und gegenwärtigen Hintergründe des Krieges gegen die Ukraine und über die Zukunft Rußlands. Der 74-Jährige hatte Zeit seines Lebens immer wieder Kontakt zu den Mächtigen im Kreml. Sein Vater war Stalins Französisch-Dolmetscher und Übersetzer. Er selbst kannte Gorbatschow gut und hat auch Putin mehrfach getroffen und sich mit ihm länger unterhalten.

Jerofejew beschreibt seine Landsleute als "harte Kinder", die keine gute politische Kultur lernen durften und um sich herum nur Feinde sehen. "Die Europäer glauben sehr naiv, dass Putin Russland okkupiert hat. Putin hat es aber, im Gegensatz zu Stalin, Chrustschow oder den Zaren, geschafft, einen Kontakt zu seinem Volk zu finden", sagt Jerofejew. So würden viele Frauen Putin lieben und viele Männer ihm nacheifern. Putin sei eben ein „erfolgreicher Gopnik", so Jerofejew. Das Wort Gopnik kommt von der Abkürzung GOP (Städtische Wohnheime des Proletariats) und bezeichnet einen kriminellen Halbstarken aus der russischen Unterschicht. Der Begriff fließt in Jerofejews neuen Roman "Putin, der große Gopnik" ein, den er vor drei Jahren begonnen hat. "Es ist ein Buch über das parallele Leben von Putin und mir. Der eine wird ein frei denkender Schriftsteller, der andere - ein Gopnik - wie Putin. Am Anfang habe ich mit viel Ironie geschrieben, doch dann änderte sich einiges in Russland. Es gab Repressionen und so wurde das Buch immer bitterer. Jetzt hat mir Putin mit dem Krieg gegen die Ukraine ein Finale geschenkt. Es ist zwar schrecklich, aber es ist ein ernsthaftes Ende für mein Buch", sagt Jerofejew.

Viktor Jerofejew geboren 1947 in Moskau. 1979 wurde er wegen seiner Beteiligung an der Literaturanthologie Metropol mit von der Zensur verbotenen Texten vom Schriftstellerverband der UdSSR ausgeschlossen. Im Westen wurde Jerofejew durch seine Romane „Die Moskauer Schönheit“ (1990) und „Der gute Stalin“ (2004) bekannt. Aktuell schreibt er regelmäßig für die New York Times, DIE ZEIT, die FAZ und DIE WELT und gilt als kritischer Intellektueller. Im Jahr 2022 verließ er Rußland mit seiner Familie auf einer schwierigen Autofahrt über Sankt Petersburg, Finnland, Tallin, die Baltischen Staaten und Polen und lebte zuerst im Schloß Wiepersdorf. Inzwischen ist er nach Berlin gezogen. Im Jahr 2023 erscheint bei Matthes & Seitz Verlag sein neues Buch „Der große Gopnik“.

Wladimir Velminski, 1976 in Duschanbe (UdSSR) geboren, studierte Mathematik, Physik, Slawistik und Kulturwissenschaft in Berlin und Moskau. 2008 promovierte er in Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Neben seiner Tätigkeit als Leiter des Fachbereichs »Geschichte und Theorie medialer Regime in Osteuropa« an der Bauhaus Universität Weimar, verfasste er zahlreiche Publikationen zur Kulturgeschichte Osteuropas. 2015 gründete Velminski in Berlin den Ciconia Verlag, der russischen und osteuropäischen Autoren eine literarische Heimat bietet. Im Jahr 2021 wurde der Verlag mit dem Deutschen Verlagspreis und im Jahre 2022 dem Berliner Verlagspreis ausgezeichnet.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung
(Politisches Bildungsforum Brandenburg)

Sonntag
05.
März 2023
11.00 Uhr

R.Grebe, T.Kratochwil, L.Wessel
(c) Hendrik Röder

 

Matinee in der Villa Quandt
"Fallada. Ein Leben im Rausch"

Eine szenische Lesung mit Rainald Grebe, Tilla Kratochwil & Lutz Wessel

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstraße 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103

Eintritt: 15 / 12 €

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Hans Fallada zählt zu den großen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Doch der Weg zur Schriftstellerei verlief nicht geradlinig. Anhand von Briefen erzählen der Liedermacher und Kabarettist Rainald Grebe und die Schauspielerin Tilla Kratochwil das widersprüchliche Leben des Schriftstellers.
"Er war ein süchtiger Mensch. Beim Schreiben süchtig, tablettensüchtig, morphiumsüchtig, alkoholsüchtig und süchtig nach Frauen." So schildert Anna Ditzen ihren Ehemann Rudolf Ditzen, der sich selbst Hans Fallada nennt, den Autor von "Kleiner Mann - was nun?" und "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst" - Bestseller bis heute. Als sich die Lageristin Anna und der Annoncenwerber und Lokalreporter Rudolf 1928 kennenlernen, hat Rudolf bereits einen Selbstmordversuch, eine Morphinistenkarriere und einen zweieinhalbjährigen Gefängnisaufenthalt hinter sich. Was er noch vor sich hat, sind sein literarischer Durchbruch und die Liebe seines Lebens. Die Schauspieler Rainald Grebe und Tilla Kratochwil lesen Briefe von Anna und Rudolf Ditzen.

Rainald Grebe ist Autor, Dramaturg, Regisseur, Schauspieler, Comedian, Komponist, Liedersänger. Obstbauer. Zuletzt erschienen seine Erinnerungen "Rheinland Grapefruit. Mein Leben" (2021).

Tilla Kratochwil wuchs in Berlin auf und studierte von 1995 bis 1999 an der Hochschule für Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Sie war an mehreren bekannten Bühnen zu sehen, seit 2002 ist sie als freischaffende Theaterschauspielerin tätig.

Lutz Wessel wurde 1969 in Hamburg geboren und studierte Germanistik und Theaterwissenschaften in Erlangen, bevor er seine Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin absolvierte.

Mittwoch
08.
März 2023
19.30 Uhr

Judith Fanto
(c) Merlijn Doomernik

 

Niederländische Autoren im Land Brandenburg 2022/2023
Judith Fanto „Victor. Roman“

Lesung und Gespräch
Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
Moderation: Jan Konst

Wilhelmshorst | Peter-Huchel-Haus | Hubertusweg 41

Eintritt: 7 / 5 €

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Wien, 1914. Der junge Viktor entwickelt sich mit seiner unkonventionellen Art zum schwarzen Schaf seiner wohlhabenden jüdischen Familie.
Nimwegen, 1994. Die Studentin Geertje hat es satt, dass sich ihre Familie auch Jahrzehnte nach der Schoah noch immer für ihr Judentum schämt. Sie will die Mauer des Schweigens endlich durchbrechen. Denn das Schicksal ihrer Familie ist allgegenwärtig – auch das von Viktor.
Basierend auf der wahren Geschichte der Wiener Familie Fanto, erzählt Judith Fanto in diesem preisgekrönten Debüt zutiefst berührend und zugleich humorvoll von einer Frau, die sich auf die Suche begibt: nach ihren verschütteten jüdischen Wurzeln, nach Spuren von Viktor – und nach den Mächten, die aus der Vergangenheit bis heute auf sie einzuwirken scheinen.


Geertje weiß, dass sie Jüdin ist. Aber was bedeutet das eigentlich? In ihrer Familie erhält sie keine Antworten. Und dennoch spürt Geertje, dass es einmal ein ganz anderes Leben für ihre Familie gegeben haben muss – damals, im Wien Gustav Mahlers nach der Jahrhundertwende.
Von den Angehörigen, die schon längst tot sind, deren Anwesenheit Geertje aber trotzdem noch wahrzunehmen meint, scheint Viktor eine besonders schillernde Gestalt zu sein. Er ist von einem Geheimnis umgeben, das nichts mit seinen Frauengeschichten und anderen zweifelhaften Machenschaften zu tun haben kann.
Überschattet von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts, lebt Geertjes Familie noch immer so, als wäre der Krieg nie zu Ende gegangen. Geertje weiß, dass dies nicht ihr Weg sein kann. Mit aller Kraft versucht sie, sich von dem Trauma zu befreien, das ihre Familie seit Generationen gefangen hält.

Judith Fanto, geboren 1969, ist Juristin im Bereich Medizinrecht und Mutter von drei Kindern. Neben ihrer journalistischen Tätigkeit setzt sie sich als Gründerin mehrerer Stiftungen für kulturelle Aktivitäten und Bildungsangebote vor allem für jüdische Mitmenschen sowie für Kinder mit psychiatrischen Problemen ein. Ihr Debütroman ›Viktor‹ erzählt vom Schicksal ihrer Familie und avancierte schon nach wenigen Wochen zum Bestseller.

Jan Konst (*1963) arbeitet an der Freien Universität Berlin und ist Lehrstuhlinhaber Niederländische Philologie: Literaturwissenschaft. Seine akademischen Publikationen widmen sich der frühmodernen Literatur, den niederländisch-deutschen Literaturbeziehungen und der niederländischsprachigen Gegenwartsliteratur.
Zuletzt erschienen (Oktober 2021): Na de revolutie. Kind van de jaren zeventig (Nach der Revolution. Kind der siebziger Jahre) – eine autobiografisch geprägte Kulturgeschichte eines Jahrzehnts des sozialen Wandels und der indivuduellen Entfaltung.

Eine Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros und des Peter-Huchel-Hauses. In Kooperation mit der Konrad-Adenauer -Stiftung (Politisches Bildungsforum Brandenburg. Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande

Donnerstag
09.
März 2023
19.30 Uhr

Judith Fanto
(c) Merlijn Doomernik

 

Niederländische Autoren im Land Brandenburg 2022/2023
Judith Fanto „Victor. Roman“

Lesung und Gespräch
Aus dem Niederländischen von Eva Schweikart
Moderation: Jan Konst

Oranienburg | Stadtbibliothek | Schloßplatz 2

Karten unter:
03301 / 6008660

Eintritt: 5 €

RESERVIEREN

Wien, 1914. Der junge Viktor entwickelt sich mit seiner unkonventionellen Art zum schwarzen Schaf seiner wohlhabenden jüdischen Familie.
Nimwegen, 1994. Die Studentin Geertje hat es satt, dass sich ihre Familie auch Jahrzehnte nach der Schoah noch immer für ihr Judentum schämt. Sie will die Mauer des Schweigens endlich durchbrechen. Denn das Schicksal ihrer Familie ist allgegenwärtig – auch das von Viktor.
Basierend auf der wahren Geschichte der Wiener Familie Fanto, erzählt Judith Fanto in diesem preisgekrönten Debüt zutiefst berührend und zugleich humorvoll von einer Frau, die sich auf die Suche begibt: nach ihren verschütteten jüdischen Wurzeln, nach Spuren von Viktor – und nach den Mächten, die aus der Vergangenheit bis heute auf sie einzuwirken scheinen.


Geertje weiß, dass sie Jüdin ist. Aber was bedeutet das eigentlich? In ihrer Familie erhält sie keine Antworten. Und dennoch spürt Geertje, dass es einmal ein ganz anderes Leben für ihre Familie gegeben haben muss – damals, im Wien Gustav Mahlers nach der Jahrhundertwende.
Von den Angehörigen, die schon längst tot sind, deren Anwesenheit Geertje aber trotzdem noch wahrzunehmen meint, scheint Viktor eine besonders schillernde Gestalt zu sein. Er ist von einem Geheimnis umgeben, das nichts mit seinen Frauengeschichten und anderen zweifelhaften Machenschaften zu tun haben kann.
Überschattet von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts, lebt Geertjes Familie noch immer so, als wäre der Krieg nie zu Ende gegangen. Geertje weiß, dass dies nicht ihr Weg sein kann. Mit aller Kraft versucht sie, sich von dem Trauma zu befreien, das ihre Familie seit Generationen gefangen hält.

Judith Fanto, geboren 1969, ist Juristin im Bereich Medizinrecht und Mutter von drei Kindern. Neben ihrer journalistischen Tätigkeit setzt sie sich als Gründerin mehrerer Stiftungen für kulturelle Aktivitäten und Bildungsangebote vor allem für jüdische Mitmenschen sowie für Kinder mit psychiatrischen Problemen ein. Ihr Debütroman ›Viktor‹ erzählt vom Schicksal ihrer Familie und avancierte schon nach wenigen Wochen zum Bestseller.

Jan Konst (*1963) arbeitet an der Freien Universität Berlin und ist Lehrstuhlinhaber Niederländische Philologie: Literaturwissenschaft. Seine akademischen Publikationen widmen sich der frühmodernen Literatur, den niederländisch-deutschen Literaturbeziehungen und der niederländischsprachigen Gegenwartsliteratur.
Zuletzt erschienen (Oktober 2021): Na de revolutie. Kind van de jaren zeventig (Nach der Revolution. Kind der siebziger Jahre) – eine autobiografisch geprägte Kulturgeschichte eines Jahrzehnts des sozialen Wandels und der indivuduellen Entfaltung.

Eine Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros und der Stadtbibliothek Oranienburg. In Kooperation mit der Konrad-Adenauer -Stiftung (Politisches Bildungsforum Brandenburg. Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande

Dienstag
21.
März 2023
20.00 Uhr

Julia Schoch
(c) Anne Heinlein

 

Julia Schoch
„Das Liebespaar des Jahrhunderts“

Lesung & Gespräch
Moderation: Hendrik Röder

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstraße 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103

Eintritt: 10 / 8 €

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Wo geht die Liebe hin, wenn man sagt, sie ist verschwunden?
Eine Frau will ihren Mann verlassen. Nach vielen Jahren Zusammenleben und Ehe ist sie entschlossen und bestürzt zugleich: Wie konnte es nur dazu kommen? Während sie ihr Fortgehen plant, begibt sie sich in ihren Gedanken weit zurück. Da waren die rauschhaften Jahre der Verliebtheit, an der Universität, zu zweit im Ausland und später mit den kleinen Kindern, aber da gab es auch die Kehrseite – Momente, die zu Wendepunkten wurden und das Scheitern schon vorausahnen ließen. Doch ist etwas überhaupt gescheitert, wenn es so lange dauert? Julia Schoch, literarische Archäologin ihres Lebens, legt frei, was im Alltag eines Paares oft verborgen ist: die Liebesmuster, die Schönheit auch in der Ernüchterung. Ein Loblied auf die Liebe.

Julia Schoch, 1974 in Bad Saarow geboren, aufgewachsen in der DDR-Garnisonsstadt Eggesin in Mecklenburg, gilt als »Virtuosin des Erinnerungserzählens« (FAZ) und bekam für ihre von der Kritik hochgelobten Romane und Erzählungen schon viele Preise. Zuletzt erschien ihr Roman ›Das Vorkommnis. Biographie einer Frau‹. Für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk wurde ihr 2022 die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung verliehen. Sie lebt in Potsdam.

Montag
27.
März 2023
17.00 Uhr

Victor Jestin
(c) Pascal Ito

 

Victor Jestin „Hitze“
Aus dem Französischen von Sina de Malafosse

Lesung und Gespräch.
Moderation: Pascale Hugues

Potsdam | Kleist Schule | Friedrich- Ebert- Straße 17

Karten unter:
0331 / 2896730
oder: 0331 / 2804103

Eintritt: 8 / 6 € (Schüler Eintritt frei)

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Während seine Altersgenossen bei Rekordhitze feiern, trinken und unbedingt noch ein Mädchen klarmachen wollen, taumelt der 17-jährige Léonard alleine und übermüdet durch die letzten Stunden seiner Sommerferien auf einem französischen Campingplatz. Die Nacht zuvor steckt ihm in den Knochen: Er hat einem Jungen reglos beim Selbstmord zugesehen – ist dessen Tod also seine Schuld? Zugleich verwirrt ihn die verführerische Luce, hilflos und hingerissen ist er ihren schamlosen Spielchen ausgesetzt. Gefangen in seinen komplexen und gegensätzlichen Gefühlen, vermag Léonard seinem Delirium kaum zu entrinnen.

Victor Jestin, 1994 geboren, wuchs in Nantes auf und studierte anschließend am Conservatoire européen d’écriture audiovisuelle in Paris, wo er heute auch lebt. Nach seinem viel beachteten Debüt „Hitze“ folgt nun mit „Der Tanzende“ sein zweiter Roman, der ebenfalls mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Pascale Hugues, geboren in Straßburg, ist Journalistin und Schriftstellerin. Mit ihrem ersten Buch «Marthe und Mathilde» gelang ihr auf Anhieb ein großer Erfolg. Für ihr Buch «Ruhige Straße in guter Wohnlage» erhielt sie den Prix Simone Veil und den Europäischen Buchpreis. Pascale Hugues ist Deutschlandkorrespondentin des französischen Nachrichtenmagazins «Le Point», Kolumnistin beim «Tagesspiegel» und schreibt regelmäßig für verschiedene deutsche Medien. Sie lebt in Berlin. Zuletzt erschien ihr Buch „Mädchenschule“ (2022)

Eine gemeinsame Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros, des Freundeskreises Potsdam-Versailles und der Heinrich von Kleist Schule Potsdam. Mit freundlicher Unterstützung durch die Investitionsbank des Landes Brandenburg

Dienstag
28.
März 2023
19.30 Uhr

Victor Jestin
(c) Pascal Ito

 

Victor Jestin „Der Tanzende“
Aus dem Französischen von Sina de Malafosse

Lesung und Gespräch.
Moderation: Pascale Hugues

Zossen | Stadtbibliothek | Kirchplatz 7

Karten unter:
03377 / 3040477

Eintritt: 8 / 6 €

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La Plage heißt der Club in einer kleinen Stadt am Ufer der Loire. Schon bei seinem ersten Besuch anlässlich eines Kindergeburtstages fühlt sich Arthur unwohl, wie erstarrt. Später, als Jugendlicher, will er lernen, mitzumachen. Er begleitet verschiedene Bekannte in den Club, versucht zu sein wie sie, verliebt sich zum ersten Mal, lernt zu tanzen, wird sogar zum besten Tänzer und ist schließlich beinahe täglich dort. Doch alle in seinem Umfeld verlassen die Stadt, bauen sich ihr Leben auf, können mit Erwartungen, die an sie gestellt werden, umgehen. Für Arthur hingegen wird das La Plage zu seinem eigentlichen Leben, nur an diesem Ort mit seinen eigenen Gesetzen gelingt es ihm, einen Platz in der Menge und eine Form der Existenz zu finden. Nur auf der Tanzfläche fühlt er sich frei und gibt die Hoffnung auf Liebe nicht auf.

Victor Jestin, 1994 geboren, wuchs in Nantes auf und studierte anschließend am Conservatoire européen d’écriture audiovisuelle in Paris, wo er heute auch lebt. Nach seinem viel beachteten Debüt Hitze folgt nun mit Der Tanzende sein zweiter Roman, der ebenfalls mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

Pascale Hugues, geboren in Straßburg, ist Journalistin und Schriftstellerin. Mit ihrem ersten Buch «Marthe und Mathilde» gelang ihr auf Anhieb ein großer Erfolg. Für ihr Buch «Ruhige Straße in guter Wohnlage» erhielt sie den Prix Simone Veil und den Europäischen Buchpreis. Pascale Hugues ist Deutschlandkorrespondentin des französischen Nachrichtenmagazins «Le Point», Kolumnistin beim «Tagesspiegel» und schreibt regelmäßig für verschiedene deutsche Medien. Sie lebt in Berlin. Zuletzt erschien ihr Buch „Mädchenschule“ (2022).

Eine Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros und der Stadtbibliothek und der Stadtbibliothek Zossen mit freundlicher Unterstützung durch die Stadt Zossen.

Dienstag
25.
April 2023
19.00 Uhr

Dagmar von Gersdorff
(c) Rüdiger von Treskow

 

Dagmar von Gersdorff
„Die Schwiegertochter. Das Leben der Ottilie von Goethe“

Lesung und Gespräch
Moderation: Peter Walther

Rheinsberg | Kurt-Tucholsky-Literaturmuseum (Remise) | Mühlenstraße 15

Karten unter:
033931 / 39007

Eintritt: 10 / 8 €

RESERVIEREN

Für ihren Schwiegervater, den Dichter und Staatsminister Johann Wolfgang von Goethe, war sie unentbehrlich: Ottilie von Goethe, eine geb. von Pogwisch aus schleswig-holsteinischem Uradel, war eine der unkonventionellsten, faszinierendsten, auch umstrittensten Frauen ihrer Zeit.
Obwohl ihre adelsstolzen Verwandten die Ehe mit August, dem unehelich geborenen Sohn des Dichters, nicht billigten, kam die Heirat zustande. Ottilie hatte dabei hauptsächlich ein Ziel: Goethes Schwiegertochter zu werden.
Die Ehe mit August erwies sich als problematisch, Ottilie suchte Trost in diversen Liebschaften. Doch ihre Heiterkeit, Intelligenz und Hilfsbereitschaft machten sie ihrem Schwiegervater bald unersetzlich. Nach Augusts frühem Tod sah Ottilie in der Sorge für Goethe und sein Werk ihre Lebensaufgabe. Und er förderte die geistigen Interessen der Mutter seiner drei Enkelkinder Walther, Wolfgang und Alma. Ottilie schrieb auch selbst, dichtete und gründete die Zeitschrift Chaos. Goethes letzte Worte gehörten Ottilie.
Dagmar von Gersdorff zeichnet das Bild einer geistreichen, liebeshungrigen, unkonventionellen Frau. Nach Goethes Tod musste sich Ottilie neu erfinden. Sie führte ein unstetes Leben zwischen Weimar, Wien und Italien. Den geistigen Größen ihrer Zeit durch Freundschaften verbunden, genoss sie, nicht nur als »Goethes Schwiegertochter«, bis zuletzt hohes Ansehen.

»Gerdorff gelingt es, in dieser Studie zwei zentrale Aspekte der Biographie Ottilies überzeugend zu verschränken. ... Eine neue Sicht, die Ottilie gleichzeitig – aus heutiger Sicht – als modern erscheinen lässt.«
Manfred Osten, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Dagmar von Gersdorff, geb. von Forell, stammt aus Trier/Mosel. Sie lebt heute als Literaturwissenschaftlerin und Biographin in Berlin. Bekannt wurde sie durch ihre Biographien über bedeutende literarische und historische Persönlichkeiten: Marie Luise Kaschnitz, Bettina und Achim von Arnim, Goethes Mutter, Caroline von Günderrode, Goethes Enkel, Prinz Wilhelm von Preußen und Elisa Radziwill, Caroline von Humboldt. Ihr Werk wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet.

Eine Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros und des Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums

Donnerstag
27.
April 2023
20.00 Uhr

Juli Zeh, Simon Urban
(c) Peter von Felbert

 

„Zwischen Welten“
Ein Gespräch über die anwachsende Wut in einer verunsicherten Welt

Mit Juli Zeh und Simon Urban
Moderation: Knut Elstermann

Potsdam | Waschhaus | Schiffbauergasse 6

Karten unter:
0331 / 2804103
oder: www.waschhaus.de

Eintritt: 15,- € zzgl. Gebühren (nur verbindliche Kartenbestellungen möglich)

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Der neue Roman von Juli Zeh und Simon Urban. Zwanzig Jahre sind vergangen: Als sich Stefan und Theresa zufällig in Hamburg über den Weg laufen, endet ihr erstes Wiedersehen in einem Desaster. Zu Studienzeiten waren sie wie eine Familie füreinander, heute sind kaum noch Gemeinsamkeiten übrig. Stefan hat Karriere bei Deutschlands größter Wochenzeitung BOTE gemacht, Theresa den Bauernhof ihres Vaters in Brandenburg übernommen. Aus den unterschiedlichen Lebensentwürfen sind gegensätzliche Haltungen geworden. Stefan versucht bei seiner Zeitung, durch engagierte journalistische Projekte den Klimawandel zu bekämpfen. Theresa steht mit ihrem Bio-Milchhof vor Herausforderungen, die sie an den Rand ihrer Kraft bringen.
Die beiden beschließen, noch einmal von vorne anzufangen. In einem offenen und sehr emotionalen Austausch per E-Mail und WhatsApp wollen sie einander ganz neu kennenlernen und sich gegenseitig aus ihren Welten erzählen – aus dem Leben im Elfenbeinturm der Hamburger Kultur-Elite und aus der erdverbundenen brandenburgischen Agrar-Existenz. Steckt hinter der alten Freundschaft vielleicht sogar eine verhinderte Liebe? Doch während Stefan und Theresa einander näher kommen, geraten sie immer wieder in einen hitzigen Schlagabtausch um polarisierte Fragen wie Klimapolitik, Gendersprache und Rassismusvorwürfe. So sehr sie sich bemühen, die Politik aus ihrer Freundschaft herauszuhalten – es ist, als liefen die Gräben einer gespaltenen Nation mitten durch ihre Beziehung. Ist heute wirklich jeder und jede gezwungen, eine Seite zu wählen? Gibt es noch Gemeinsamkeiten zwischen den Welten? Können Freundschaft und Liebe die Kluft überbrücken, oder sind es gerade enttäuschte Gefühle, die die Konflikte so unüberwindbar machen? Als sich am Ende Theresas und Stefans Wege auf völlig unerwartete Weise kreuzen, müssen beide erkennen, dass sie im Begriff stehen, etwas Entscheidendes zu verlieren: die Freiheit, selbst zu bestimmen, wer man ist.
Juli Zeh und Simon Urban haben diesen Roman gemeinsam geschrieben. Ein ungewöhnliches Projekt in unruhigen Zeiten. Über die Entstehung des Romans, den Zugriff auf die Gegenwart und die unterschiedlichen Sichtweisen auf den Text spricht an diesem Abend Knut Elstermann mit beiden Autoren.

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, Jurastudium in Passau und Leipzig, Promotion im Europa- und Völkerrecht. Längere Aufenthalte in New York und Krakau. Schon ihr Debütroman »Adler und Engel« (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Thomas-Mann-Preis (2013) und dem Heinrich-Böll-Preis (2019). Im Jahr 2018 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und wurde zur Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg gewählt. Ihr Roman »Über Menschen« war das meistverkaufte belletristische Hardcover des Jahres 2021.

Simon Urban, geboren 1975 in Hagen, Studium der Germanistik, Komparatistik und Philosophie in Münster. Sein Roman „Plan D“ (2011), in dem die DDR heute noch existiert, wurde in elf Sprachen übersetzt. 2014 erschien der Roman „Gondwana“. Ausgezeichnet mit zahlreichen Literaturpreisen und Kreativawards wie Cannes-Löwen und dem Clio-Grand Prix. Für die Agentur Jung von Matt schrieb er den Edeka-Film #heimkommen, der weltweit für Aufsehen sorgte und zu den erfolgreichsten deutschen Virals gehört. Für die ARD verfasste er die Erzählvorlage zum Spielfilm „Exit“. 2021 erschien der mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnete Roman „Wie alles begann und wer dabei umkam“ über einen Juristen, der zum Rächer wird.
Eine Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros, des Waschhauses und des Literaturladens Wist.

In Kooperation mit der mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, Politisches Bildungsforum Brandenburg

Dienstag
02.
Mai 2023
19.00 Uhr

Ursula Fricker
(c) Schleyer-autorenarchiv

 

Ursula Fricker
„Gesund genug“

Lesung und Gespräch
Moderation: Katarzyna Zorn

Cottbus | Stadtbibliothek | Berliner Str. 13/14

Karten unter:
0355 / 38060-0

Eintritt: 8 / 6 €

RESERVIEREN

Als bei Hanne in Berlin das Telefon klingelt, ahnt sie, was kommt. Ihr Vater liegt im Sterben. »Da kann man einmal sehen«, hat der Gesundheitsfanatiker immer mit Genugtuung gesagt, wenn es andere erwischte. Nun leidet er selbst an Darmkrebs im Endstadium. »Da kann man einmal sehen«, würde Hanne jetzt gern zu ihrem Vater sagen. Alle hat er mit seinem Bio-Wahn und Reinlichkeitsfimmel terrorisiert, die Familie zu einer Sekte gemacht – in einer Zeit, als Gemüseraffel und Demeter noch längst kein Mainstream waren. Aber soll Hanne es ihm jetzt wirklich heimzahlen? Am Sterbebett erinnert sie sich an ihr Erwachsenwerden jenseits des väterlichen Diktats, an ihren Sommer als Mother’s Help in London, an das Erwachen und Auskosten einer wilden Freiheit. Als sie zufällig eine Mappe mit alten Zeichnungen entdeckt, leuchtet plötzlich eine völlig unbekannte Seite dieses pedantischen Vaters auf. Hatte auch er einmal einen Freiheitstraum? Wo ist der hin? Gesund genug ist ein Roman über eine »bio-dynamische« Radikalisierung und das Scheitern am eigenen Anspruch.

Ursula Fricker, 1965 in Schaffhausen geboren, studierte Sozialarbeit in Bern, arbeitete in einem Heim für geistig behinderte Menschen und in der Theaterpädagogik. Sie hat bisher vier Romane veröffentlicht. Auf ihr viel beachtetes Debüt Fliehende Wasser (2004) folgten Das letzte Bild(2009), Außer sich (2012), nominiert für den Schweizer Buchpreis 2012, und Lügen von gestern und heute (2016). Mit Gesund genug war sie Finalistin des Alfred-Döblin-Preises 2021; für das Manuskript erhielt sie ein »Arbeitspaket«-Stipendium des Landes Brandenburg. Im Herbst 2022 wird sie mit dem Georg Fischer Kulturpreis der Stadt Schaffhausen ausgezeichnet. Ursula Fricker lebt in der Märkischen Schweiz in der Nähe von Berlin.

Eine Kooperationsveranstaltung des Brandenburgisches Literaturbüros und der Stadtbibliothek Cottbus

Mittwoch
03.
Mai 2023
19.30 Uhr

Ursula Fricker
(c) Schleyer-autorenarchiv

 

Ursula Fricker
„Gesund genug“

Lesung und Gespräch
Moderation: Katarzyna Zorn

Zossen | Stadtbibliothek | Kirchplatz 7

Karten unter:
03377 / 3040477

Eintritt: 8 / 6 €

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Als bei Hanne in Berlin das Telefon klingelt, ahnt sie, was kommt. Ihr Vater liegt im Sterben. »Da kann man einmal sehen«, hat der Gesundheitsfanatiker immer mit Genugtuung gesagt, wenn es andere erwischte. Nun leidet er selbst an Darmkrebs im Endstadium. »Da kann man einmal sehen«, würde Hanne jetzt gern zu ihrem Vater sagen. Alle hat er mit seinem Bio-Wahn und Reinlichkeitsfimmel terrorisiert, die Familie zu einer Sekte gemacht – in einer Zeit, als Gemüseraffel und Demeter noch längst kein Mainstream waren. Aber soll Hanne es ihm jetzt wirklich heimzahlen? Am Sterbebett erinnert sie sich an ihr Erwachsenwerden jenseits des väterlichen Diktats, an ihren Sommer als Mother’s Help in London, an das Erwachen und Auskosten einer wilden Freiheit. Als sie zufällig eine Mappe mit alten Zeichnungen entdeckt, leuchtet plötzlich eine völlig unbekannte Seite dieses pedantischen Vaters auf. Hatte auch er einmal einen Freiheitstraum? Wo ist der hin? Gesund genug ist ein Roman über eine »bio-dynamische« Radikalisierung und das Scheitern am eigenen Anspruch.

Ursula Fricker, 1965 in Schaffhausen geboren, studierte Sozialarbeit in Bern, arbeitete in einem Heim für geistig behinderte Menschen und in der Theaterpädagogik. Sie hat bisher vier Romane veröffentlicht. Auf ihr viel beachtetes Debüt Fliehende Wasser (2004) folgten Das letzte Bild(2009), Außer sich (2012), nominiert für den Schweizer Buchpreis 2012, und Lügen von gestern und heute (2016). Mit Gesund genug war sie Finalistin des Alfred-Döblin-Preises 2021; für das Manuskript erhielt sie ein »Arbeitspaket«-Stipendium des Landes Brandenburg. Im Herbst 2022 wird sie mit dem Georg Fischer Kulturpreis der Stadt Schaffhausen ausgezeichnet. Ursula Fricker lebt in der Märkischen Schweiz in der Nähe von Berlin.

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, Politisches Bildungsforum Brandenburg

Donnerstag
04.
Mai 2023
20.00 Uhr

Ursula Fricker
(c) Schleyer-autorenarchiv

 

Ursula Fricker
„Gesund genug“

Lesung und Gespräch
Moderation: Katarzyna Zorn

Potsdam | Villa Quandt 2023 | Große Weinmeister Str. 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103

Eintritt: 10 / 8 €

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Als bei Hanne in Berlin das Telefon klingelt, ahnt sie, was kommt. Ihr Vater liegt im Sterben. »Da kann man einmal sehen«, hat der Gesundheitsfanatiker immer mit Genugtuung gesagt, wenn es andere erwischte. Nun leidet er selbst an Darmkrebs im Endstadium. »Da kann man einmal sehen«, würde Hanne jetzt gern zu ihrem Vater sagen. Alle hat er mit seinem Bio-Wahn und Reinlichkeitsfimmel terrorisiert, die Familie zu einer Sekte gemacht – in einer Zeit, als Gemüseraffel und Demeter noch längst kein Mainstream waren. Aber soll Hanne es ihm jetzt wirklich heimzahlen? Am Sterbebett erinnert sie sich an ihr Erwachsenwerden jenseits des väterlichen Diktats, an ihren Sommer als Mother’s Help in London, an das Erwachen und Auskosten einer wilden Freiheit. Als sie zufällig eine Mappe mit alten Zeichnungen entdeckt, leuchtet plötzlich eine völlig unbekannte Seite dieses pedantischen Vaters auf. Hatte auch er einmal einen Freiheitstraum? Wo ist der hin? Gesund genug ist ein Roman über eine »bio-dynamische« Radikalisierung und das Scheitern am eigenen Anspruch.

Ursula Fricker, 1965 in Schaffhausen geboren, studierte Sozialarbeit in Bern, arbeitete in einem Heim für geistig behinderte Menschen und in der Theaterpädagogik. Sie hat bisher vier Romane veröffentlicht. Auf ihr viel beachtetes Debüt Fliehende Wasser (2004) folgten Das letzte Bild(2009), Außer sich (2012), nominiert für den Schweizer Buchpreis 2012, und Lügen von gestern und heute (2016). Mit Gesund genug war sie Finalistin des Alfred-Döblin-Preises 2021; für das Manuskript erhielt sie ein »Arbeitspaket«-Stipendium des Landes Brandenburg. Im Herbst 2022 wird sie mit dem Georg Fischer Kulturpreis der Stadt Schaffhausen ausgezeichnet. Ursula Fricker lebt in der Märkischen Schweiz in der Nähe von Berlin.

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, Politisches Bildungsforum Brandenburg

Donnerstag
25.
Mai 2023
19.30 Uhr

Harald Martenstein
(c) Hans Scherhaufer

 

Lausitzer LesART
Harald Martenstein
„Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff: Optimistische Kolumnen“

Moderation: Hendrik Röder

Cottbus | Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus | Berliner Str. 13/14

Karten unter:
0355 / 38060-24
oder: www.bibliothek-cottbus.de

Eintritt: 12 / 10 €

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Neue geistreiche Kolumnen von Deutschlands spitzester Zunge: Harald Martenstein

Harald Martenstein schreibt seit vielen Jahren eine nach ihm benannte Kolumne in der ZEIT. Er gehört zu den meistgelesenen Autoren Deutschlands und laut Cicero zu den einflußreichsten deutschen Intellektuellen. Auch in seinen neuen Texten spart er kaum ein umstrittenes Thema aus, ob es nun »Cancel Culture« heißt, ob es um die Machtfülle der Virologen geht oder um gendergerechte Mathematik. Daneben macht er immer wieder seinen Alltag zum Thema, etwa den Kampf gegen das Altern und eine Eichhörncheninvasion in der Wohnung. Martenstein provoziert und eckt an, ist dabei aber immer überraschend, oft sehr komisch und manchmal anrührend. Dieser Kolumnist schreibt die Chronik seines Landes, seiner Generation und seiner Irrtümer.

Harald Martenstein, 1953 geboren in Mainz, ist Autor zahlreicher Sachbücher und Romane. Seine Kolumnen haben Kultstatus. Er wurde unter anderem mit dem Henri-Nannen-Preis, dem Egon-Erwin-Kisch-Preis und dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet und unterrichtet an Journalistenschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Martenstein lebt in Berlin und in der Uckermark.

In Kooperation mit dem Lernzentrum Cottbus, präsentiert von der Lausitzer Rundschau.

Mittwoch
31.
Mai 2023
19.30 Uhr

Alexander Osang
(c)Felix Rettberg

 

Lausitzer LesART
Alexander Osang
„Das letzte Einhorn. Menschen eines Jahrzehnts“

Moderation: Hendrik Röder

Cottbus | Stadt- und Regionalbibliothek | Berliner Str. 13/14

Karten unter:
0355 / 38060-24
oder: www.bibliothek-cottbus.de

Eintritt: 10 / 8 €

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Wie schreibt man über Menschen, um ihnen als Reporter gerecht zu werden?
Alexander Osang erzählt in seinen Reportagen der Jahre 2010 bis 2020 von Menschen und Orten, in deren Geschichten die großen Zeitläufe eingeschrieben sind. Ob Politiker, Sportler, Menschen aus der Finanzbranche, Unbekannte, die plötzlich im Licht der Öffentlichkeit stehen – seine Texte treffen immer ins Schwarze, und doch vermeiden sie das Fertige, Unumstößliche. Auf diese Weise gelingt ihm beides: berührende menschliche Porträts und eine Erzählung gesellschaftlicher Umbrüche, die uns in Zukunft beschäftigen werden.

Alexander Osang, geboren 1962 in Berlin, studierte in Leipzig und arbeitete nach der Wende als Chefreporter der Berliner Zeitung. Seit 1999 berichtet er als Reporter für den Spiegel, acht Jahre lang aus New York, und bis 2020 aus Tel Aviv. Für seine Reportagen erhielt er mehrfach den Egon-Erwin-Kisch-Preis und den Theodor-Wolff-Preis. Er lebt heute mit seiner Familie in Berlin. Sein Roman "Fast hell" (Aufbau Verlag, 2021), stand mehrere Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Seit 30 Jahren erscheint sein essayistisches Werk im Ch. Links Verlag.

In Kooperation mit dem Lernzentrum Cottbus, präsentiert von der Lausitzer Rundschau.

Donnerstag
01.
Juni 2023
20.00 Uhr

Klaus-Rüdiger Mai
(c) Christoph Busse

 

Buchpremiere
Klaus-Rüdiger Mai
„Der kurze Sommer der Freiheit: Wie aus der DDR eine Diktatur wurde“

Lesung & Gespräch
Moderation: Hendrik Röder
Anschließend Empfang

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstraße 46/47

Eintritt: 10 / 8 €

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Zu recht bekannt und Teil unserer Erinnerungskultur ist die mutige Tat und das erschütternde Schicksal der Gruppe um die Geschwister Scholl. Doch wer kennt Herbert Belter? Wer kennt Wolfgang Ihmels, Jutta Erbstößer oder Wolfgang Natonek? Auch Herbert Belter wurde von den Henkern eines totalitären Staates ermordet, nachdem er Flugblätter verteilt hatte, auch er war erst 21 Jahre alt am Tag seines gewaltsamen Todes. Klaus-Rüdiger Mai erzählt auf der Grundlage intensiver Quellenrecherchen erstmals die ganze Geschichte des mutigen Widerstands Leipziger Studenten gegen die Stalinisierung Ostdeutschlands und bettet ihre Geschichte ein in die Unterdrückung demokratischer Anfänge in der DDR von ihrer Gründung 1949 bis zum Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Ein Lehrstück über das Werden einer Diktatur und über Mut und Widerstand.


Klaus-Rüdiger Mai ist Germanist, Historiker und Philosoph. Sein Spezialgebiet sinddie religiösen, philosophischen und künstlerischen Kulturen Europas gestern und heute sowie die Geschichte und Gegenwart Ostdeutschlands und Osteuropas. Er ist erfolgreicher Roman- und Sachbuchautor, Essayist und Publizist und lebt mit seiner Familie in Zossen. Zuletzt erschien „Edith Stein – Geschichte einer Ankunft: Leben und Denken der Philosophin, Märtyrerin und Heiligen“(2022) und „Ich würde Hitler erschiessen: Sophie Scholls Weg in den Widerstand“(2023.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung
(Politisches Bildungsforum Brandenburg) und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Sonntag
02.
Juli 2023
19.00 Uhr

Kim de l`Horizon
(c) Anne Morgenstern

 

Lit:Potsdam
Kim de l`Horizon „Blutbuch“

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstraße 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103
oder: www.litpotsdam.de

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Ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2022

Die Erzählfigur in ›Blutbuch‹ identifiziert sich weder als Mann noch als Frau. Aufgewachsen in einem schäbigen Schweizer Vorort, lebt sie mittlerweile in Zürich, ist den engen Strukturen der Herkunft entkommen und fühlt sich im nonbinären Körper und in der eigenen Sexualität wohl. Doch dann erkrankt die Großmutter an Demenz, und das Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen: Warum sind da nur bruchstückhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit? Wieso vermag sich die Großmutter kaum von ihrer früh verstorbenen Schwester abzugrenzen? Und was geschah mit der Großtante, die als junge Frau verschwand? Die Erzählfigur stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter und forscht nach der nicht tradierten weiblichen Blutslinie.

Dieser Roman ist ein stilistisch und formal einzigartiger Befreiungsakt von den Dingen, die wir ungefragt weitertragen: Geschlechter, Traumata, Klassenzugehörigkeiten. Kim de l’Horizon macht sich auf die Suche nach anderen Arten von Wissen und Überlieferung, Erzählen und Ichwerdung, unterspült dabei die linearen Formen der Familienerzählung und nähert sich einer flüssigen und strömenden Art des Schreibens, die nicht festlegt, sondern öffnet.

Kim de l’Horizon wuchs in Ostermundigen auf und besuchte in Winterthur das Gymnasium. In Zürich studierte de l’Horizon ab 2012 Germanistik, Film- und Theaterwissenschaften. Es folgte ein Studium für literarisches Schreiben am Literaturinstitut in Biel. Danach schrieb sich de l’Horizon für den Masterstudiengang Transdisziplinarität an der Zürcher Hochschule der Künste ein.

In Kooperation mit Lit:potsdam

Donnerstag
07.
September 2023
20.00 Uhr

Harald Jähner
(c) Barbara Dietl

 

Harald Jähner
„Höhenrausch: Das kurze Leben zwischen den Kriegen“

Lesung und Gespräch
Moderation: Peter Walther

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstr. 46/47

Karten unter:
0331-2804103

Eintritt: 10 / 8 €

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Deutschland 1918. Ende des Ersten Weltkriegs, Revolution, Sieg der Demokratie. Zugleich beginnt ein Siegeszug befreiter Lebensweisen. Die Inflation bringt die überlieferten Werte ins Wanken. Alles soll von Grund auf anders werden: die «Neue Frau», der «Neue Mann», «Neues Wohnen», «Neues Denken». Als es Mitte der Zwanziger auch wirtschaftlich aufwärtsgeht, wird Deutschland ein anderes Land. Frauen erobern die Rennpisten und Tennisplätze, gehen abends alleine aus, schneiden sich die Haare kurz und denken nicht ans Heiraten. Unisex kommt in Mode, Androgynes und Experimentelles. Jähner erzählt von der Erfindung der Freizeit, von Boxhallen und Tanzpalästen, und von den Hotspots der Neuen Zeit, vom Büro und Großstadtverkehr, vom Warenhaus als Glücksversprechen oder der Straße als Ort erbitterter Kämpfe. So vieles wirkt heute verblüffend modern. Die Vorliebe für Ironie, das Gradlinige und Direkte. Aber auch die Angst vor der «Entwertung aller Werte», der Herrschaft des Billigen. Ein großer Teil der Deutschen fand sich im Aufbruch nicht wieder. Als das Geld knapper wurde und die Zukunft düsterer, offenbarte sich die tiefe Spaltung der Gesellschaft und die Unfähigkeit, sie auszuhalten. Harald Jähner liefert eine Gesamtschau dieser so pulsierenden, reichen Zeit – und zeichnet das Bild eines zerrissenen Landes voll gewaltiger und erschreckender Energien. Es ist uns irritierend ähnlich und – hoffentlich – doch ganz anders.

Harald Jähner, Jahrgang 1953, war bis 2015 Feuilletonchef der "Berliner Zeitung", zugleich Honorarprofessor für Kulturjournalismus an der Universität der Künste Berlin. 2019 erschien das Buch "Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945–1955", das mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde und monatelang auf der "Spiegel"-Bestsellerliste stand; es wurde in zahlreichen Ländern veröffentlicht, darunter USA und England, wo es für den renommierten Baillie-Gifford-Preis nominiert wurde. "The Times" schrieb: "Eine bewegende, faszinierende Lektüre. Jähner versteht es meisterhaft, die tragischen, schrecklichen, komischen und aufbauenden Geschichten derer zu erzählen, die dabei waren."

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung (Politisches Bildungsforum Brandenburg)

Donnerstag
21.
September 2023
20.00 Uhr

Laura J. Gerlach

 

Demian Lienhard
„Mr. Goebbels Jazz Band“

Lesung & Gespräch
Moderation: Hendrik Röder

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstr. 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103

Eintritt: 10 / 8 €

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Berlin, Frühjahr 1940. Auf Beschluss von Joseph Goebbels wird für den Auslandsradiosender Germany Calling eine Big Band gegründet, die als Mr. Goebbels Jazz Band internationale Bekanntheit erlangt. Die besten europäischen Musiker, darunter auch Ausländer, Juden und Homosexuelle, spielen im Dienst der NS-Propaganda wortwörtlich um ihr Überleben – ausgerechnet mit Jazz, der als »entartet« galt. Bis zu 6 Millionen britische Haushalte täglich lauschen den Swing-Stücken mit anti-alliierten Hetztexten und dem Star-Moderator William Joyce alias Lord Haw-Haw, der nach seinem Aufstieg in der British Fascist Union aus London nach Berlin geflohen war. Joyce soll den Erfolg »an der Front im Äther« literarisch dokumentieren lassen. Der dafür ausgewählte Schweizer Schriftsteller Fritz Mahler findet sich im Zuge seines Auftrags, einen Propagandaroman über die Band zu schreiben, in verruchten Berliner Clubs und illegalen Jazzkellern wieder, trinkt zu viel Cointreau, verzettelt sich in seinen Recherchen und muss nicht nur die Skepsis der Musiker überwinden, sondern auch seine gefährlichen Auftraggeber über das schleppende Vorankommen seines Unterfangens hinwegtäuschen. Demian Lienhard erzählt die ungeheuerliche (fast bis ins Detail wahre) Geschichte von Mr. Goebbels Jazz Band und des berüchtigten Radiosprechers William Joyce. In furiosem Tempo jagt Lienhard seinen Figuren von New York nach Galway, London, Manchester, Zürich, Danzig und Berlin nach und stellt den menschenverachtenden Zynismus des NS-Staats ebenso bloß wie die Perfidie der Nazi-Propaganda. Gezeigt wird das Scheitern künstlerischer Produktion im Dienste einer Ideologie, wobei auch die eigene Erzählung verschmitzt unterwandert wird, bis hin zum überraschenden Paukenschlag.

Demian Lienhard, geboren 1987, aus Bern, hat in Klassischer Archäologie promoviert. Für sein Romandebüt „Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat“ (FVA 2019) wurde er mit dem Schweizer Literaturpreis 2020 ausgezeichnet. Demian Lienhard lebt und arbeitet in Zürich.

Donnerstag
05.
Oktober 2023
20.00 Uhr

Jutta Hoffmann
(c) Joachim Gern

Andreas Dresen
(c) Andre Röhmer

in memoriam Wofgang Kohlhaase (1931-2022)
Jutta Hoffmann liest aus „Erfindung einer Sprache. Erzählungen“

Andreas Dresen im Gespräch
Moderation: Hendrik Röder

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstraße 46/47

Eintritt: 15 / 12 €

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Anläßlich des ersten Todestages erinnern die Schauspielerin Jutta Hoffmann und der Regisseur Andreas Dresen an Wolfgang Kohlhaase.

Kohlhaases dreizehn Geschichten sind moderne Klassiker. Lakonisch im Ton und getragen von einer großen Menschenliebe, zeigen sie, dass dieser große Drehbuchautor von der Literatur kommt. Nicht zufällig spielen einige der hier versammelten Geschichten im Krieg und in der unmittelbaren Nachkriegszeit, in jener Zeitenwende, die Wolfgang Kohlhaase wie keine andere prägte. Wie in seinen Filmen ist Kohlhaase ein Meister im Miteinander von Tragik und Komik, Melancholie und Humor. Schon die Titelgeschichte verbindet den größtmöglichen Schrecken mit Motiven des Schelmenromans.

Wolfgang Kohlhaase (1931-2022), arbeitete nach seiner Zeit als Dramaturg bei der DEFA (1950 52) als freischaffender Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur. Zu seinen bekanntesten Drehbüchern zählen »Berlin Ecke Schönhauser«, »Ich war neunzehn«, »Die Grünsteinvariante«, »Die Stille nach dem Schuß«. Der Film »Solo Sunny» (1980), für den Kohlhaase auch die Co-Regie übernahm, wurde in der DDR ein Kultfilm. Große Erfolge waren »Sommer vorm Balkon«, »In Zeiten des abnehmenden Lichts« und »Als wir träumten«. Wolfgang Kohlhaase erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter drei Nationalpreise der DDR, den Goldenen Ehrenbär der Berlinale und die Lola der Deutschen Filmakademie für sein Lebenswerk. Er starb genau vor einem Jahr am 5. Oktober 2022.

Jutta Hoffmann, geboren 1941, zählt zu den beliebtesten deutschen Bühnen- und Filmschauspielerinnen. Bekannt wurde sie durch die Fallada-Verfilmung »Kleiner Mann – was nun?«. Mit großem Erfolg arbeitete sie u.a. an Münchner, Hamburger und Salzburger Bühnen. 2017 wurde sie für ihre Rolle in dem Fernsehfilm »Ein Teil von uns« mit dem Grimme-Preis sowie dem Deutschen Schauspielerpreis ausgezeichnet.

Andreas Dresen gehört zu den bedeutendsten deutschen Filmregisseuren. Ob »Halbe Treppe«, »Sommer vorm Balkon«, »Wolke 9«, »Halt auf freier Strecke« oder »Gundermann« - seine Filme hinterlassen Spuren, sind preisgekrönt, begeistern oder verstören. Für Dresen ist Arbeit Glück, und Filmen und Theater sind Spiel. Die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Wolfgang Kohlhaase prägt sein Schaffen bis heute.

Sonntag
15.
Oktober 2023
11.00 Uhr

Frank Arnold
(c) privat

 

Matinee in der Villa Quandt
Frank Arnold liest aus dem Roman „Steinstücken“ von Rolf Haufs

Lesung und Gespräch mit Kerstin Hensel
Moderation: Katarzyna Zorn

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeister Str. 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103

Eintritt: 10 / 8 €

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1945 wurde die Berliner Stadtgrenze zur Zonengrenze, was zu einigen Kuriositäten führte: So ist das kleine Steinstücken verwaltungstechnisch Teil von Zehlendorf und umgeben von Potsdam-Babelsberg, das damals zur Sowjetischen Besatzungszone gehörte. Steinstücken im Amerikanischen Sektor blieb die einzige permanent bewohnte Westberliner Exklave, was eine besondere sicherheitspolitische Herausforderung darstellte. Die Ortslage wurde durch DDR-Grenztruppen abgeriegelt und von US-Militärpolizei bewacht. In dieses Steinstücken kommt Georg – Alter Ego des Autors – Anfang der 1960er-Jahre aus der rheinischen Provinz, um sich bei einem Mann namens Faßbinder einzuquartieren, wobei er zunächst absurde bürokratische Hürden zu bewältigen hat. Etwas Mysteriöses umgibt diesen Faßbinder, den Georg offensichtlich schon aus seiner Heimat kennt und der das „Dritte Reich“ in KZ-Haft verbrachte. Noch nebulöser wird die Situation, als Faßbinder Georg bittet, bei der Flucht eines Ostberliners zu helfen. Und dann sind da noch die verschrobenen Einwohner Steinstückens, die Amerikaner, die eine Luftbrücke mit Helikopter einrichten, und die DDR-Grenzer, deren Gebaren immer bedrohlicher wird. Kerstin Hensel schreibt in ihrem Nachwort: „STEINSTÜCKEN ist STEINSTÜCKEN ist ein Roman. Poetisch, grotesk, barock, präzise, lakonisch, geschrieben im Atemrhythmus des Autors. Das Stakkato zeigt sein Getriebensein in klaustrophobischer Panik. Der Autor jagt Erinnerungen nach und wird von ihnen gejagt, stets auf höchster seelischer Alarmstufe. Erinnerungen verfugen sich in Rückblenden, Déjà-vus, Erschütterungen, in bedrohlichen kafkaesken Situationen.“

Rolf Haufs (1935–2013), war Schriftsteller und Rundfunkjournalist. Zunächst Exportkaufmann in verschiedenen Industrieunternehmen im Rheinland, ging er 1960 nach Westberlin, wo er sich zunächst in Steinstücken niederließ. Von 1962 bis 1967 war er Mitglied der Gruppe 47 und arbeitete von 1972 bis 1999 als Leitender Redakteur für Literatur beim Sender Freies Berlin (SFB). Seit 1987 war er Mitglied der Berliner Akademie der Künste, von 1997 bis 2009 als Stellvertretender Direktor der Sektion Literatur. Rolf Haufs wurde vor allem als Lyriker (u. a. Straße nach Kohlhasenbrück, 1962), Autor von Prosawerken (u. a. Das Dorf S. und andere Geschichten, 1968), Kinderbüchern (u. a. Ob ihr’s glaubt oder nicht, 1980) und Hörspielen (u. a. Ein hoffnungsloser Fall, RIAS Berlin, 1965) bekannt.

Kerstin Hensel wurde 1961 in Karl-Marx-Stadt geboren. Sie studierte am Institut für Literatur in Leipzig und unterrichtet heute an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Bei Luchterhand sind zuletzt erschienen: die Liebesnovellen »Federspiel« der Band »Das verspielte Papier - über starke, schwache und vollkommen misslungene Gedichte« sowie der Lyrikband »Schleuderfigur«. Kerstin Hensel lebt in Berlin.

Frank Arnold ist einer der profiliertesten deutschen Schauspieler. Bekannt ist er vor allem als Sprecher zahlreicher Hörbücher, Dokumentarfilme und der TV-Kulturmagazine „Aspekte“ und „Titel Thesen Temperamente“.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung
(Politisches Bildungsforum Brandenburg)

Mittwoch
15.
November 2023
20.00 Uhr
   

Samuel Finzi
„Samuels Buch: Ein autobiografischer Roman“

Lesung und Gespräch
Moderation: Hendrik Röder

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstraße 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103

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Bulgarien in den 1970er-Jahren. Mitten im Sozialismus führen die Finzis das Leben der Bohème: Da ist der elegante Großvater, der seine Hüte noch aus den Zeiten des Zaren retten konnte. Die zähe Großmutter Mathilda, die die stalinistische Psychiatrie samt Elektroschocks und Eiswasser überlebte. Die Mutter, die es versteht, aus einer Scheibe Parmaschinken die ganze Leichtigkeit des Dolce Vita zu ziehen. Und der Vater, der seinem Sohn auf einer Reise in den Westen das Tor zur Freiheit aufstößt: Diese bunte, vielgestaltige Welt erkundet der junge Samuel und ahnt schon bald, dass das Glück jenseits der engen Grenzen der Heimat wartet.
In treffsicheren Anekdoten, mit furiosem Witz und großer Wärme erzählt Samuel Finzi vom Paradies der Kindheit und der Revolte der Jugend, verwebt Vergangenes und Gegenwärtiges und schreibt ganz nebenbei über das gelingende Leben im falschen System.

Samuel Finzi, 1966 in Plovdiv, Bulgarien, geboren, zählt heute zu den gefragtesten Schauspielern im europäischen Raum und hat in über 150 Filmproduktionen mitgespielt, darunter Kino-Highlights wie „Kokowääh“, „Fritz Lang“ und „Herrliche Zeiten“. Für seine herausragenden Arbeiten in Film und Theater wurde er von Feuilleton wie Publikum begeistert gefeiert und vielfach ausgezeichnet, u.a. als Schauspieler des Jahres, mit dem Deutschen Schauspielpreis und dem Gertrud-Eysoldt-Ring.