Veranstaltungen

Eintrittsermäßigung gilt für Schüler, Studenten, Arbeitssuchende sowie Schwerbehinderte und Inhaber eines FreiwilligenPasses des Landes Brandenburg

Mittwoch
06.
September 2017
20.00 Uhr

Ines Geipel
(c) Michael Zalewski

Buchpremiere Ines Geipel "Tochter des Diktators"

Moderation: Hendrik Röder

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstraße 46/47

Karten unter:
0331 - 2804103

Eintritt: 8 / 6 €

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Als Ivano Matteoli, Sohn eines KP-Funktionärs, Anfang der sechziger Jahre sein toskanisches Heimatdorf gen Leningrad verlässt, lernt er dort Bea kennen - Beate Ulbricht, das »erste Staatskind der DDR« und Tochter von Walter Ulbricht. Das ist der Beginn einer Amour fou zwischen Ost und West, einer großen Liebe im politischen Geflecht zwischen Paris, Leningrad, Rom, Ost-Berlin und dem stockkatholischen Cigoli. Die Erzählerin Anni kennt Ivano von Kindesbeinen an. Auf den Dächern der alten Häuser ihres toskanischen Heimatdorfes haben sie beide zusammen gesessen und den Männern beim Bocciaspielen zugesehen. Auch, als es sie wegen des Studiums in unterschiedliche Himmelsrichtungen verschlägt, - sie nach Paris, ihn nach Leningrad - verfolgt Anni aus der Distanz Ivanos Liebe zu der deutschen Beate. Deren Eltern, Walter und Lotte Ulbricht, versuchen die Ehe der beiden zu verhindern. Das gelingt nicht, aber der Preis dafür ist hoch. Ines Geipel ist in ihrem ganz eigenen Ton ein raffinierter und kontrastreicher Roman darüber gelungen, wie das Autoritäre ins intimste Innere des Lebens eindringt.

Ines Geipel, geboren 1960, ist Schriftstellerin und Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin floh 1989 nach ihrem Germanistik-Studium aus Jena nach Westdeutschland
und studierte in Darmstadt Philosophie und Soziologie. Bei Klett-Cotta erschien von ihr zuletzt das Sachbuch "Generation Mauer"

Mit Unterstützung durch den Verlag Klett-Cotta und den Literaturladen Wist

Montag
11.
September 2017
19.00 Uhr

Geert Mak
(c) Merlijn Doomernik/laif

Geert Mak "Die vielen Leben des Jan Six. Geschichte einer Amsterdamer Dynastie".

Lesung und Gespräch.
Moderation: Jan Konst

Potsdam | Heinrich von Kleist Schule | F.-Ebert-Str.17

Karten unter:
0331-289 67 30

Eintritt: 8 / 2 €

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Sie sind die Buddenbrooks der Niederlande: Die Six-Dynastie gehört seit dem Goldenen Zeitalter zu den politisch und kulturell bedeutendsten Familien des Landes. Bestsellerautor Geert Mak folgt den Spuren dieser Familie, die seit mehr als vierhundert Jahren in Amsterdam ansässig ist, und erweckt ihre Geschichte und Geschichten zu neuem Leben. Er erzählt die Biographie der Familie bis heute und entwirft zugleich ein ebenso farbiges wie schillerndes Panorama ihrer unterschiedlichen Epochen.
Jan Six - Mäzen, Aufklärer, Kunstsammler, Amsterdamer Regent und verewigt auf einem der schönsten Porträts, das Rembrandt je schuf - gilt als Begründer der Dynastie und hatte eine ganze Reihe von Nachkommen, von denen der jeweils Erstgeborene seinen Namen trug. Wie er gelangten viele von ihnen in den darauffolgenden Jahrhunderten in Kunst, Politik und Wissenschaft zu Reichtum und Ruhm. Andere Familienmitglieder wiederum verbrachten ihr Leben in Armut und Einsamkeit. Zahlreiche Tagebücher, Briefe, Notizen und Aufzeichnungen, die sich zusammen mit dem Rembrandt-Bildnis bis heute im Besitz der Familie befinden, zeugen davon. »Die vielen Leben des Jan Six« ist die Geschichte einer Familie und ihrer Stadt über viele Generationen hinweg. Es ist eine Geschichte von Ambitionen und Scheitern, von Größe und der ewigen Angst vor dem Niedergang.

Geert Mak, geboren 1946, ist einer der bekanntesten Publizisten der Niederlande und gehört nach drei großen Bestsellern zu den wichtigsten Sachbuchautoren des Landes. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen zählen "Amsterdam" (1997), "Das Jahrhundert meines Vaters" (2003) und "In Europa" (2005). Zuletzt erschien "Amerika! Auf der Suche nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten" (2013). Für sein Werk erhielt Geert Mak 2008 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung. Seine Bücher sind internationale Bestseller und wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.
Jan Konst ist Literaturwissenschaftler und Niederlandist. Seit 1994 arbeitet er als Hochschullehrer an der Freien Universität Berlin, zunächst auf dem Gebiet ‚Niederländische Literatur und Sprache von den Anfängen bis 1800‘. Seit 2000 ist er Inhaber des Lehrstuhls ‚Niederländische Philologie: Literaturwissenschaft‘.

Eine Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros und der Kleist Schule Potsdam. Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft des Königreichs der Niederlande.

Dienstag
12.
September 2017
19.30 Uhr

Peter Walther
(c) Steffen Mühle

Peter Walther
"Hans Fallada. Die Biographie"

Lesung & Gespräch
Moderation: Hendrik Röder

Zossen | Stadtbibliothek Zossen | Kirchplatz 2

Karten unter:
03377 / 3040477

Eintritt: 7 / 5 €

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Als 1932 mit "Kleiner Mann - was nun?" Falladas erster Welterfolg erscheint, liegt schon ein bewegtes Leben hinter ihm: Psychiatrieaufenthalt wegen Tötung eines Freundes in einem Scheinduell, Morphiumkonsum und Beschaffungskriminalität, Gefängnisaufenthalte, Arbeit als Annoncenjäger und Lokaljournalist. Seit seiner Pubertät ist das Schreiben für Fallada (1893-1947) ein Lebensantrieb. Erst die Ehe mit Suse jedoch gibt ihm den Rückhalt für seine ungeheure schriftstellerische Produktivität. Falladas Leben ist zugleich die Geschichte seiner lebenslangen Abhängigkeit von Alkohol, Schlaftabletten, Morphium und unseliger Kompromisse: "Der Junge kann was", lobt Goebbels. Im Auftrag des Propagandaministeriums schreibt der Bestseller-Autor der Weimarer Republik 1944 einen "nicht antisemitischen antisemitischen Roman". Nur wenig später entsteht auf Anregung von Johannes R. Becher das Buch über den Widerstand gegen das Nazi-Regime, das Jahrzehnte nach dem Tod des Schriftstellers zum zweiten Welterfolg wird. Peter Walther schildert "unfassbar material- und detailreich"(Süddeutsche Zeitung) das Leben des Schriftstellers.

Peter Walther wurde 1965 in Berlin geboren, studierte Germanistik und Kunsterziehung in Greifswald, Berlin und Essen und promovierte 1995 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er hat Bücher über Peter Huchel, Günter Eich, Thomas Mann, Goethe und Publikationen zur Fotografiegeschichte herausgegeben. Peter Walther arbeitet im Brandenburgischen Literaturbüro.

Dienstag
19.
September 2017
19.00 Uhr
 

Lea Streisand „Im Sommer wieder Fahrrad“

Rathenow | Buchhandlung Tieke | Berliner Str. 4

Karten unter:
03385 - 510232

Eintritt: 7 €

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Wo die strahlende Lea ist, da ist das Leben – bis sie plötzlich, mit gerade dreißig, schwer erkrankt. Während ihre Freunde Weltreisen planen, aufregende Jobs antreten, heiraten, Kinder kriegen, kreisen ihre eigenen Gedanken um Krankheit und Tod. Als sie fast die Hoffnung verliert, muss Lea an ihre Großmutter Ellis denken. Ellis Heiden war Schauspielerin und Lebenskünstlerin, „eine Frau wie ein Gewürzregal“, lustig, temperamentvoll und furchtlos. Die Erinnerung an diese besondere Frau stärkt Lea den Rücken.
Seit 2003 liest Lea Streisand auf Lesebühnen und Poetry Slams und ist Mitglied der Neuköllner Lesebühne Rakete 2000. Außerdem schreibt die gebürtige Berlinerin
Kolumnen für die taz und hat eine wöchentliche Hörkolumne auf Radio Eins.

Mittwoch
27.
September 2017
20.00 Uhr

Leonhard Cujé
und Ulrich Gerhardt
(c) privat

Hörspielpremiere „Mein Freund Lennie oder die Reise“
von und mit Ulrich Gerhardt

Moderation Hendrik Röder, anschließend Empfang

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstr. 46/47

Karten unter:
0331-2804103

Eintritt: 8 / 6 €

RESERVIEREN

Juni 1945. Die Freundschaft zweier Internatsschüler, elf und zwölf Jahre alt, gipfelt in einer zehntägigen Reise durch das chaotische Nachkriegsdeutschland auf dem Weg nach Hause von der Donau an den Main, der eine nach Frankfurt, der andere in die Nähe von Würzburg. Sie sahen sich nie wieder. Die kleine Heldentat blieb unvergessen. Fast ein Leben später fragen Kinder, Freunde und Bekannte immer wieder danach, wollen die Geschichte immer wieder hören. Aber wo war der Freund geblieben? Lebte er noch? Damit beginnt das zweite Abenteuer – die Suche und das Wiederfinden, nach so vielen Jahren. Es ist die lange verborgen geblieben Geschichte des großen Hörspielregisseurs Ulrich Gerhardt und seines damaligen Schulfreundes Leonhard Cujé, der in den 60er Jahren als Solo-Vibraphonist in der New Yorcker Jazzszene Erfolge feierte.

Als Hörspielregisseur inszeniert Ulrich Gerhardt, geb. 1934, mit größtmöglicher Hingabe und ganz akribisch unterschiedliche Texte für aufmerksame Ohren. Mit ganzem Herzen hängt er sich in eine Produktion, die exzessive Arbeit mit den Schauspielern eingeschlossen. Er liebt die "Grenzenlosigkeit" des Studios, aber genauso begeistert sucht er sein Material in der Welt und baut Zufallsfunde in seine Stücke mit ein. Gelernt hat er sein Handwerk von der Pike auf, beginnend in den 1960er-Jahren, als er als Hausregisseur im Berliner RIAS für ganz unterschiedliche Abteilungen tätig war. Bekannt ist er
nicht zuletzt für seine Arbeit mit dem „Kunstkopf“ und für sein Engagement, ein Radioprogramm für mündige Hörer zu produzieren.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk, Deutschlandfunk und RBB.

Donnerstag
05.
Oktober 2017
19.00 Uhr

Jutta Hoffmann
(c) Agentur

Lausitzer LesArt. Jutta Hoffmann liest
„Was nicht in den Tagebüchern steht. Verse und Prosa von Christa Wolf“

Lübbenau | Schloß Lübbenau | Schloßbezirk 6

Karten unter:
03542-8730

Eintritt: 10 / 8 €

»Leb ich in Träumen deutlicher
und freudiger
und ehrlicher?«

Was nicht in den Tagebüchern steht - und auch nicht in ihren anderen Büchern: Das Wichtiges ist unbemerkt in die Zwischenräume gerutscht. Wann ist die Stimme brüchig geworden. Seit wann trifft sie in den alten Liedern die hohen Töne nicht mehr. Wann sind die Leidenschaften abgeflaut. Christa Wolf hat sich nie als Lyrikerin gesehen, aber sie liebte Gedichte seit ihrer Kindheit. Im Nachlaß fanden sich unter Notizen und Skizzen aus den letzten Jahrzehnten ihres Lebens eine Reihe von Versen, die ihr Mann, Gerhard Wolf, für diesen Band ausgewählt hat. Die Verse beleuchten die innere Zerrissenheit, aber auch Ängste vor Zurückweisung und Einsamkeit. In ihrer Klarheit ermöglichen sie dem Leser eine Neuentdeckung dieser großen deutsch-deutschen Autorin.

Christa Wolf, geboren 1929 in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski), lebte in Berlin und Woserin, Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Georg-Büchner-Preis, dem Thomas-Mann-Preis und dem Uwe-Johnson-Preis, ausgezeichnet. Sie verstarb am 1. Dezember 2011 in Berlin.

Jutta Hoffmann, geboren 1941 in Halle (Saale), ist eine der herausragendsten Schauspielerinnen Deutschlands. Sie brillierte auf den Bühnen von Berlin, München und Salzburg und bildete bis 2003 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg den deutschen Nachwuchs aus. Sie ist das Gesicht des engagierten DDR-Films (»Kleiner Mann, was nun«, »Der Dritte«, »Geschlossene Gesellschaft«) und auch im jungen deutschen Kino präsent (»Bandits«, »Der alte Affe Angst«).

Kooperationsveranstaltung mit dem Schloß Lübbenau und der Lausitzer Rundschau.

Mittwoch
11.
Oktober 2017
19.30 Uhr

Sven Stricker
(c) Hanna Lippmann

Sven Stricker liest "Mensch, Rüdiger!"

Rathenow | Bibliothek | Schleusenplatz 4

Karten unter:
03385-512683

Eintritt: 7 / 5 €

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Eine bittersüße Komödie über den Sinn des Lebens
Rüdiger ist Lehrer, verheiratet, Cordhose, 2 Kinder. Für den Rest der Welt ist er nahezu unsichtbar. An seinem 40. Geburtstag, mitten im Unterricht, merkt er, dass er sein bisheriges Leben nicht mehr erträgt. Er steht auf und geht.
Tom hatte vor Jahren einen Bestseller. Danach: Schreibblockade, Lebensblockade. Jetzt sitzt er im Supermarkt an der Kasse, von Ohnmachtsanfällen heimgesucht, und hilft biologisch verteuerter Landwurst übers Laufband. Bis es auch ihm reicht.
Rüdiger und Tom treffen sich auf einer Talbrücke. Beide wollen die Welt hinter sich lassen. Am Ende aber beschließen sie: Fünf Tage lang werden sie testen, ob das Leben nicht vielleicht doch noch lebenswert ist.

Sven Stricker wurde 1970 geboren und wuchs in Mülheim an der Ruhr auf. Er studierte Komparatistik, Anglistik und Neuere Geschichte. Seit 2001 arbeitet er als freier Wortregisseur, Bearbeiter und Autor und gewann in dieser Funktion mehrmals den Deutschen Hörbuchpreis, zuletzt 2009 für seine Hörspielbearbeitung und Regie des Romans «Herr Lehmann» von Sven Regener. «Schlecht Aufgelegt» ist sein erster Roman. Er lebt in Potsdam und hat eine Tochter.

Donnerstag
12.
Oktober 2017
20.00 Uhr

Florian Lukas

Florian Lukas liest „Russengold“ von Richard Grosse

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstr. 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103

Eintritt: 8 / 6 €

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Berlin / Moskau, 1977: Kurz vor ihrem Abschluss an der Lomonossow Universität feiern Rainer und Ullrich mit ihren Kommilitonen Boris, Wolodja und Lena ausgelassen auf der Datsche von Wolodjas Eltern. Am nächsten Morgen ist Boris verschwunden. Er wird erst einige Tage später unter einer Schneedecke nahe der Datsche aufgefunden – tot. Da DDR-Bürger in den Vorfall verwickelt sind, fährt Kommissar Bircher nach Moskau. Doch er und sein sowjetischer Kollege müssen den Fall ungelöst ad acta legen. Zurück in Berlin trifft Bircher erneut auf Rainer und Ullrich. Anscheinend verdienen sie sich durch unerlaubten Verkauf von Eheringen aus der UdSSR, sogenanntem Russengold, ein ansehnliches Zubrot. Dann stürzt Jakob Schukin von der Warschauer Brücke. Ein Zufall, dass auch er in Moskau studiert hat? Als Wolodja, der für ein Forschungsprojekt in Berlin weilt, ebenfalls umkommt, wird es für Bircher höchste Zeit zu handeln … Zu einer Zeit, als Berlin noch die Hauptstadt der DDR war, entfaltet sich zwischen Ostbahnhof, Alexanderplatz und Weidendammer Brücke ein mitreißendes Szenario, das den Leser in Atem hält.

Richard Grosse, 1944 in London geboren, wohnte viele Jahre im bekannten Hochhaus am Strausberger Platz, bevor er ein Chemiestudium aufnahm. Er wurde 1983 zum Professor für Biochemie an der Akademie der Wissenschaften der DDR berufen. Nach Jahren in der Grundlagenforschung gründete er 1994 ein humangenetisches Labor in Berlin, das er bis heute leitet. Mordshochhaus ist sein erster Kriminalroman.

Florian Lukas wuchs in Berlin auf. 1990 drehte er seinen ersten Film "Banale Tage" (Regie: Peter Welz). Es folgten zahlreiche Rollen in Fernseh- und Kinofilmen. Ein Schauspielstudium an der HFF Potsdam-Babelsberg brach er 1994 ab.
Einem größeren Kinopublikum wurde er mit dem Kinoerfolg Der Eisbär (Til Schweiger) bekannt. Für seine Darstellungen in St. Pauli Nacht (1998, Sönke Wortmann) und Absolute Giganten (1998, Sebastian Schipper) erhielt Florian Lukas den Bayerischen Filmpreis als Bester Nachwuchsdarsteller. Für seine Rolle des Denis im internationalen Publikumshit Good Bye, Lenin! (2003, Wolfgang Becker) erhielt er 2003 den Deutschen Filmpreis als Bester Nebendarsteller sowie einen Bambi.
Es folgten weitere Auftritte in zahlreichen Kinofilmen. 2010 übernahm er eine Hauptrolle in der achtzehnteiligen Fernsehserie Weissensee.

Samstag
14.
Oktober 2017
19.30 Uhr

Steffen Schroeder
(c) Anne Heinlein

Steffen Schroeder
"Was alles in einem Menschen sein kann: Begegnung mit einem Mörder"

Lesung & Gespräch
Moderation Hendrik Röder

Zossen | Galerie-Café Zossen | Kirchplatz 7

Karten unter:
03377 / 3040477

Eintritt: 10 / 8 €

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2013 stehen sich Steffen Schroeder und Micha im Gefängnis Berlin-Tegel zum ersten Mal gegenüber. Ein Gespräch über ihre schwierige Jugend bringt sie einander näher, bei allen Unterschieden: Schroeder wurde Schauspieler, Micha rutschte ins rechte Milieu ab, brachte einen Menschen um. Es beginnt eine besondere Beziehung: Schroeder, bekannt als Kommissar Kowalski in «SOKO Leipzig», wird Vollzugshelfer des lebenslänglich Verurteilten. Er lernt den Gefängnisalltag kennen, erfährt von Rangordnungen, Drogen, Ausbruchsversuchen; über die Jahre dringt er tief in Michas Geschichte ein, erfährt immer wieder Neues, Überraschendes. Für Micha wird er wichtiger und wichtiger, er begleitet ihn bei Freigängen, ist ihm Auge und Ohr für die Welt. Bald sieht Schroeder sich selbst und sein Leben in neuem Licht: Was unterscheidet ihn eigentlich von Micha? Und welche Entscheidungen und Wendepunkte führen überhaupt dazu, dass ein Leben gelingt oder scheitert?
Steffen Schroeder schreibt mit viel Gespür für das Menschliche über eine außergewöhnliche Begegnung und stellt dabei existenzielle Fragen nach Schuld, Schicksal und der Verantwortung dem eigenen Leben gegenüber. Der Fernsehkommissar und der Mörder - ein starkes, glänzend erzähltes Buch.

Steffen Schroeder wurde 1974 in München geboren. Nach seiner Schauspielausbildung war er zunächst Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater, dann beim Berliner Ensemble. Er wirkte in Fernsehserien wie «Der Kriminalist», «Bella Block» und «Tatort» sowie in Kinofilmen wie «Der Rote Baron» oder «Keinohrhasen» mit. In der erfolgreichen ZDF-Serie «SOKO Leipzig» spielt er seit 2012 den Polizeioberkommissar Tom Kowalski. Steffen Schroeder lebt mit seiner Familie in Potsdam.

Donnerstag
19.
Oktober 2017
20.00 Uhr

Natascha Wodin
(c) Susanne Schleyer

Natascha Wodin "Sie kam aus Mariupol"

Moderation: Hendrik Röder

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstraße 46/47

Karten unter:
0331 - 2804103

Eintritt: 10 / 8 €

RESERVIEREN

"Wenn du gesehen hättest, was ich gesehen habe" - Natascha Wodins Mutter sagte diesen Satz immer wieder und nahm doch, was sie meinte, mit ins Grab. Da war die Tochter zehn und wusste nicht viel mehr, als dass sie zu einer Art Menschenunrat gehörte, zu irgendeinem Kehricht, der vom Krieg übriggeblieben war. Wieso lebten sie in einem der Lager für "Displaced Persons", woher kam die Mutter, und was hatte sie erlebt? Erst Jahrzehnte später öffnet sich die Blackbox ihrer Herkunft, erst ein bisschen, dann immer mehr.
"Sie kam aus Mariupol" ist das außergewöhnliche Buch einer Spurensuche. Natascha Wodin geht dem Leben ihrer ukrainischen Mutter nach, die aus der Hafenstadt Mariupol stammte und mit ihrem Mann 1943 als "Ostarbeiterin" nach Deutschland verschleppt wurde. Sie erzählt beklemmend, ja bestürzend intensiv vom Anhängsel des Holocaust, einer Fußnote der Geschichte: der Zwangsarbeit im Dritten Reich. Ihre Mutter, die als junges Mädchen den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror miterlebte, bevor sie mit ungewissem Ziel ein deutsches Schiff bestieg, tritt wie durch ein spätes Wunder aus der Anonymität heraus, bekommt ein Gesicht, das unvergesslich ist. "Meine arme, kleine, verrückt gewordene Mutter", kann Natascha Wodin nun zärtlich sagen, und auch für uns Leser wird begreifbar, was verlorenging. Dass es dieses bewegende, dunkel-leuchtende Zeugnis eines Schicksals gibt, das für Millionen anderer steht, ist ein literarisches Ereignis.

Natascha Wodin, 1945 als Kind verschleppter sowjetischer Zwangsarbeiter in Fürth/Bayern geboren, wuchs erst in deutschen DP-Lagern, dann, nach dem frühen Tod der Mutter, in einem katholischen Mädchenheim auf. Nachdem sie eine Sprachenschule absolvierte, übersetzte sie aus dem Russischen und lebte zeitweise in Moskau. Auf ihr Romandebüt "Die gläserne Stadt", das 1983 erschien, folgten etliche Veröffentlichungen, darunter die Romane "Einmal lebt ich", "Die Ehe" und "Nachtgeschwister". Ihr Werk wurde unter anderem mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Brüder-Grimm-Preis und dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet, für "Sie kam aus Mariupol" wurde ihr der Alfred-Döblin-Preis und der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Natascha Wodin lebt in Berlin und Mecklenburg.

Mittwoch
25.
Oktober 2017
19.30 Uhr

Jörg Friedrich
(c) Scherhaufer

Lausitzer LesArt:
100 Jahre Russische Revolution
"Lenins Machtergreifung oder mußte das sein?"

Jörg Friedrich. Vortrag.

Cottbus | LERN ZENTRUM Cottbus | Stadt- und Regionalbibliothek | Berliner Straße 13/14

Karten unter:
0355 / 3806015

Eintritt: 10 / 8 €

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Der Ruin Europas im 20. Jahrhundert begann mit der Niederlage zweier Demokratien; der eine Fall ist weltberühmt, der andere weniger. Weimar verlor in fünfzehneinhalb Jahren. Noch folgenschwerer aber rasend schnell zerstörte sich die russische Demokratie, die vor 100 Jahren, im Februar 1917 ans Ruder kam. Der Zar wurde gestürzt, die Parteien stellten die Regierung, Räte wurden gewählt und kontrollierten jeden Schritt, das ganze Land verwandelte sich in eine öffentliche Dauerversammlung. Der "Oktoberrevolution" genannte Staatsstreich begründete eine Parteidiktatur, vielerorts beliebt bis zum heutigen Tag.
Die Weltgeschichte wäre glücklicher verlaufen, hätte sich die russische Demokratie nach der Februarrevolution 1917 behaupten können. Kein Mensch rief da nach Gleichschaltung durch Führererlaß. Es kann aber sein, daß ein Freiheitssystem darin versagt, eine funktionierende Ordnung zu schaffen, daß es den Kopf verliert, frohgemut Katastrophenpolitik betreibt. Dann wird es davongejagt. Dies bewirkt aber nicht allein die Kunst der großen Machtergreifer, ob Lenin, ob Hitler. Erzählen wir abwechselungshalber eine andere Geschichte: Wie eine Demokratie sich selber ruiniert.

Jörg Friedrich, geboren 1944, erzielte mit seinem Buch über den Bombenkrieg gegen Deutschlands Städte einen Welterfolg: Der Brand liegt in zwölf Sprachen vor. Auch der Folgeband Brandstätten wurde zum Bestseller. Friedrichs umfangreiches Werk enthält Standardtitel zur NS-Zeit, die ihm internationale Auszeichnungen eintrugen. 2014 erschien sein Buch "14/18. Der Weg nach Versailles.

Kooperationsveranstaltung mit der Konrad-Adenauer Stiftung/
Politisches Bildungsforum Brandenburg

Montag
13.
November 2017
19.00 Uhr

Ulrich Noethen
(c) Thore Siebrands

Lausitzer LesArt: Ulrich Noethen liest Tolstoi "Krieg und Frieden"

Cottbus | LERN ZENTRUM Cottbus | Stadt- und Regionalbibliothek | Berliner Straße 13/14

Karten unter:
0355 / 3806015

Eintritt: 15 / 12 €

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Die russische Gesellschaft in der Mitte des 19. Jahrhunderts - und die europäischen Kriegsschauplätze,
auf denen Österreich, Preußen, Russland und Frankreich unter Napoleon kämpfen: Das sind die Zeiten
und Stoffe des berühmten Romans "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi. Der Schriftsteller rückt vier adlige Familien in den Mittelpunkt: "Die Rostows", der Graf und die Gräfin und ihre vier Kinder Nikolai, Peter, Vera und Natalie. "Die Besuchows", von denen nach dem Tod des alten Grafen nur dessen unehelicher Sohn Pierre übrig bleibt. "Die Bolkonskis", das sind der Patriarch, seine Tochter Marja und sein Sohn Andrej. Und "die Kuragins": der Fürst und die Fürstin mit ihren Kindern Ippolit, Anatol und Hélène. Während Napoleon ganz Europa mit Krieg überzieht, wird in Petersburg getanzt. Doch langsam, aber
sicher treiben die Familien Russlands einem Schicksal entgegen, in dem die Schrecken des Krieges und alle Leidenschaften verschmelzen. Das gesellschaftliche Leben in Moskau und Petersburg, in dem Geld
und Ansehen, Liebe, Enttäuschung und Macht im Mittelpunkt stehen, bilden die Bühne für Tolstois
zeitlosen Roman. Das 2000 Seiten starke Epos erschien erstmals 1868/1869.
Ulrich Noethen studierte 1985 bis 1987 Schauspiel in Stuttgart. Engagements führten ihn ans SchauspielKöln und nach Berlin. Seine erste Rolle im Kino hatte er 1997 in „Comedian Harmonists“. Dafür erhielt
er 1998 den Deutschen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller. Neben zahlreiche Kino- und Fernsehproduktionen arbeitet Noethen als Sprecher für eine Vielzahl von Hörbuch- und Hörspielproduktionen. Für den RBB sprach Ulrich Noethen 2009 Leo Tolstois „Krieg und Frieden“ in ungekürzter Fassung für ein 54 CDs umfassendes Hörbuch ein. Noethen habe an 35 Tagen mit „nie nachlassender Konzentration und beeindruckender Modulationsfähigkeit“ den Text gelesen.
Für seine zahlreichen Rollen wurde Noethen mehrfach ausgezeichnet: dem Deutschen Fernsehpreis (2006), der Goldenen Kamera (2006), sowie dem Adolf-Grimme-Preis (2009 und
2010).

Eine Veranstaltung des Brandenburgischen Literaturbüros und der Stadt- und Regionalbibliothek Cottbus.

Dienstag
14.
November 2017
20.00 Uhr

Constantin Schreiber
(c) Urbschat

Constantin Schreiber
"Inside Islam: Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird"

Lesung und Gespräch
Moderation Hendrik Röder

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstraße 46/47

Karten unter:
0331 - 2804103

Eintritt: 12 / 10 €

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In Deutschland leben über vier Millionen Muslime. Der wöchentliche Besuch in der Moschee ist für viele von ihnen selbstverständlich, jeden Freitag predigen tausende Imame in vollen Gotteshäusern. Dabei wissen wir nicht einmal genau, wie viele Gebetsstätten es hierzulande gibt. Schon sie zu finden, ist oft eine Herausforderung.
Für die Mehrheit der Menschen in Deutschland sind die Moscheen eine fremde Welt. Die dort gesprochenen Sprachen verstehen sie nicht, die geltenden Glaubensvorstellungen kennen sie nur vage. Umso brennender ist die Frage, was dort geschieht. Wer findet sich ein? Wer sind die Prediger? Und vor allem: Was sagen sie? Wie nutzen sie ihren Einfluss auf die Muslime? Der »Tagesschau«-Journalist Constantin Schreiber wollte Antworten. Acht Monate lang hat der arabischsprachige Nahost-Experte deutsche Moscheen besucht, zugehört und nachgefragt. Er hat die Predigten dokumentiert, übersetzt und mit Islamwissenschaftlern über sie gesprochen. So ist ein Bild von dem entstanden, was dort vermittelt wird. Dieses Bild ist erstaunlich eindeutig. Klar ist: All jenen, die ein echtes Zusammenwachsen der Einwanderungsgesellschaft wollen, kann die Botschaft der Imame nicht gefallen.

Constantin Schreiber, 1979 geboren, ist Jurist und Journalist. Er spricht fließend Arabisch und war von 2006 bis 2009 Korrespondent der Deutschen Welle in Dubai. Anschließend koordinierte er im Auswärtigen Amt in Berlin Medienprojekte in der arabischen Welt. Für seine Sendung »Marhaba. Ankommen in Deutschland« auf n-tv erhielt er den Grimme-Preis. Seit Januar 2017 ist er bei ARD-aktuell und moderiert Ausgaben der Tagesschau und des Nachtmagazins.

In Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung/ Politisches Bildungsforum Brandenburg.

Donnerstag
16.
November 2017
19.30 Uhr

Christian Eisert
(c) Reto Klar

Christian Eisert stellt sein Buch „Kim und Struppi - Ein unmöglicher Urlaub oder: Tanzen mit Atomraketen“ in Wort & Bild vor.

Zossen | Stadtbibliothek Zossen | Kirchplatz 2

Karten unter:
03377 / 3040-477

Eintritt: 6 / 4 €

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Wie viele Touristen jährlich Nordkorea besuchen, lässt sich exakt sagen: wenige. Dabei hält so ein Urlaub im Reich von Kim Jong Un viele Überraschungen bereit: Autobahnen ohne Autos, Hotels, in denen der fünfte Stock fehlt, und ein Tänzchen an der gefährlichsten Grenze der Welt – zu den Klängen von "Tränen lügen nicht". Zusammen mit der kratzbürstigen Fotoreporterin Thanh Hoang ist Christian Eisert sechs Tage und 1.500 Kilometer durch die Demokratische Volksrepublik gereist. Mit gefälschten Biographien. Unter ständiger Beobachtung des Geheimdienstes. Und immer auf der Suche nach Kim Il Sungs legendärer regenbogenfarbener Wasserrutsche. Das Ergebnis ist einfach irre – und sehr komisch.

CHRISTIAN EISERT, geboren 1976 in Ostberlin, ist TV-Autor, Satiriker und Comedy-Coach. Er schreibt Gags, Sketche und Drehbücher u. a. für Harald Schmidt und die Fernsehshows Alfons und Gäste und Grünwald Freitagscomedy. Erste Erfahrungen mit Nordkorea sammelte er im Jahr 1988, als er an seiner Schule zu Ehren einer Gästedelegation aus Pjöngjang Arbeiterkampflieder sang.

Donnerstag
01.
Februar 2018
20.00 Uhr

Julia Schoch
(c) Jürgen Bauer

Buchpremiere:
Julia Schoch "Schöne Seelen und Kompliten"

Moderation: Hendrik Röder

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstr. 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103

Eintritt: 8 / 6 €

RESERVIEREN

Wer sucht sich seine Erfahrungen schon selbst aus? Lydia, Alexander, Ruppert, Kati. Sie alle sind Schüler eines Elitegymnasiums der DDR. Während die einen mit glühendem Blick im »Reimanns« subversive Gedanken diskutieren, sehen die anderen unschuldig einer sozialistischen Zukunft entgegen. Der Mauerfall trennt sie schlagartig von ihrer Vergangenheit. Schwankend zwischen Hass, Verweigerung und Euphorie hören sie die Beteuerungen ihrer Eltern, dass alles ganz normal sei. Dabei sieht jeder die Explosion 1989 mit anderen Augen. Dreißig Jahre später zieht jeder der Helden Bilanz. Und sieht sich vor große Fragen gestellt: Wie lange verfolgt uns die Vergangenheit, oder verfolgen wir sie? Wie viel sind ihre Erfahrungen wert? Damals sind sie davongekommen, aber sie alle jagen einer Freiheit nach, noch immer. Julia Schoch macht den historischen Umbruch in privaten Leben erfahrbar. Und schreibt damit einen beeindruckenden Gesellschaftsroman für unsere Zeit.

Julia Schoch, 1974 in Bad Saarow geboren, lebt nach Aufenthalten in Bukarest und Paris als freie Autorin und Übersetzerin mit ihrem Mann und ihrem Sohn in Potsdam. Für ihr von der Kritik hochgelobtes Erzähldebüt »Der Körper des Salamanders« wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises und dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis. Nach dem für den Leipziger Buchpreis nominierten Roman »Mit der Geschwindigkeit des Sommers« erschien zuletzt »Selbstporträt mit Bonaparte«.

Mit Unterstützung durch den Piper Verlag und den Literaturladen Wist

Sonntag
18.
Februar 2018
11.00 Uhr

Bruno Preisendörfer
(c) Amrei-Marie, Wikipedia

Matinee in der Villa Quandt
Bruno Preisendörfer "Als unser Deutsch erfunden wurde: Reise in die Lutherzeit"

Lesung & Gespräch
Moderation: Hendrik Röder

Potsdam | Villa Quandt | Große Weinmeisterstr. 46/47

Karten unter:
0331 / 2804103

Eintritt: 10 / 8 €

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Martin Luther lag erst ein gutes Jahr in der Wittenberger Schlosskirche im Sarg, als im Frühling 1547 von den Türmen seiner alten Predigtkirche, der Stadtkirche St. Marien, die Aufbauten von den Türmen genommen wurden. Auf die freigemachten Plattformen sollten Kanonen gehievt werden, mit denen man die Landsknechte Karls V. vom Sturm auf die Stadt abhalten wollte. Letztendlich wurde die Stadt friedlich übergeben; Wittenberg wurde nicht geplündert. Luthers Leichnam wurde nicht aus dem Grab geholt und verbrannt, um noch posthum die Reichsacht an ihm zu vollstrecken - obwohl es Stimmen gab, die dies forderten. Die Türme bekamen neue Spitzhelme - und erst ein halbes Jahrtausend später (bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1910) fand man eine von Philipp Melanchthon handschriftlich verfasste Chronik der Zeit - einer Zeit, die bewegter, aber (für Deutschland) auch zukunftsformender kaum hätte sein können.
Bruno Preisendörfer schaut Luther und vielen seiner Zeitgenossen über die Schulter, wir erleben ihr öffentliches Wirken, aber auch ihren Alltag. Mit Götz von Berlichingen überfallen wir Nürnberger Kauf leute und werden selbst von Nürnbergern belagert. Wir sehen den Fuggern in ihrem Augsburger Kontor auf die Finger und machen uns mit den Welsern bei der Ausbeutung Venezuelas die Hände schmutzig. Albrecht Dürer lernen wir beim Malen kennen, Hans Sachs beim Versemachen und Luthers Frau Katharina bei der Haushaltsführung - bis wir mit ihr vor der Pest aus Wittenberg fliehen. Wir erleben, wie mühsam die Alltagsverrichtungen sind, vom Zubereiten der Mahlzeiten bis zum Beschaffen der Kleidung. Wir reihen uns in Landsknechte-Haufen ein, proben mit fränkischen und thüringischen Bauern den Aufstand, lauschen brav den Predigern und fürchten uns vor dem Jüngsten Gericht.
Bruno Preisendörfer ist freischaffender Publizist und Schriftsteller mit eigener Internetzeitschrift (www.fackelkopf.de). Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, u. a. bei Galiani Berlin: Der waghalsige Reisende. Johann Gottfried Seume und das ungeschützte Leben (2012), Als Deutschland noch nicht Deutschland war. Reise in die Goethezeit (2015) und Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit (2016).